Kinder

Die Zukunft der Kinder liegt in unseren Händen!

Kindergarten und Schule

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Neben der Familie hat der Kindergarten vor allem aber die Schule den stärksten Einfluss auf die kognitive, psychische, emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes. Bildung ist wichtig, damit ein Kind Fähigkeiten erlernen und sein Potenzial entfalten kann. Noch wichtiger ist das, wenn ein Kind krank ist. Aus diesem Grund spielen Kindergarten- und Schulpädagogen eine Schlüsselrolle für die gesunde Entwicklung herzkranker Kinder.

Die meisten herzkranken Kinder können ein weitestgehend normales Leben führen. Für eine Sonderbehandlung besteht also kein Anlass!

Damit Pädagogen ihre Aufgabe bestmöglich erfüllen können, sind zwei Dinge entscheidend:

  • sie müssen über den Gesundheitszustand des Kindes genau Bescheid wissen. Hilfreich kann ein gemeinsam erstellter Notfallplan sein, mit Info der Erkrankung, wichtige Telefonnummern, was im „Fall der Fälle“ zu tun ist, …
  • Familie, Kindergarten/Schule und Ärzte sollten in engem Kontakt stehen

Werden Pädagogen richtig informiert, bringt das viele Vorteile:

  • Sie haben keine Berührungsängste mit der Krankheit/der Situation und müssen sich keine Sorgen machen, dass sie das Kind im Kindergarten/im Unterricht falsch behandeln
  • Sie können die Familie und Ärzte unterstützen. Denn durch den täglichen Kontakt mit dem Kind fallen ihnen gesundheitliche Probleme sofort auf
  • Sie sind in der Lage, Mitschüler über den Herzfehler zu informieren, falls dies zum Thema in der Gruppe/in der Klasse werden könnte. Wichtig ist, dass die Pädagogen den Kindern die Angst nehmen, die aus Unwissen entsteht. Oft ist das der Grund, warum ein herzkrankes Kind aus dem Gruppe/aus dem Klassenverband ausgegrenzt wird. Pädagogen sollten nach Möglichkeit alle Fragen rund um die Krankheitssituation beantworten können und dabei eine positive Einstellung vermitteln.

Weitere Informationen:

Welchen Kindergarten wähle ich aus?

Herzkinder können einen normalen Kindergarten besuchen. Je nach Situation kann das Herzkind auch als "Integrationskind" in einem Integrationskindergarten angemeldet werden.
Vorteil:
kleinere Gruppe, mehrere Pädagogen und mehrere Förderungsmöglichkeiten!
Die Infekte, die viele Kinder in der Kindergartenzeit durchmachen, kannst du deinem Kind nicht ersparen und dadurch lernt das Immunsystem, mit Keimen umzugehen. Das Immunsystem entwickelt sich bei allen Kindern im Laufe der Kinderzeit.

Einiges muss jedoch beachtet werden, damit der Schulalltag so normal als möglich verläuft. Wie diese Anpassungen aussehen, hängt von drei Faktoren ab:

  • Die Häufigkeit und Dauer von Klinikaufenthalten
  • Ob das Kind regelmäßig Medikamente nehmen muss
  • Ob es körperliche oder neurologische Einschränkungen gibt

Die wichtigste Aufgabe des Pädagogen ist es, dem Kind Wissen zu vermitteln. Übervorsichtiges Verhalten sollte vermieden werden. Sonderbehandlungen geben dem Kind das Gefühl, anders zu sein. Sie sind eine Form der Diskriminierung.

Die Unterstützung, die ein herzkrankes Kind vom Pädagogen erhält, darf nicht zu einer Bevorzugung gegenüber den Mitschülern führen. Bei Anpassungs- oder Lernproblemen sollte – wenn möglich – der Schulpsychologe (oder externer Kinder-Schulpsychologe) hinzugezogen werden.

Hat ein herzkrankes Kind schulische Probleme, sind manchmal eine Anpassung des Lehrplans oder Förderunterricht notwendig. Der Pädagoge beurteilt aus pädagogischer Sicht, ob sich das Kind richtig entwickelt oder Sprachprobleme bestehen, für die zusätzliche Hilfe in Anspruch genommen werden muss. Pädagoge und Eltern sollten die altersgerechte Entwicklung des Kindes genau im Auge behalten. Bis zum Alter von vier Jahren muss auf Schwierigkeiten bei der Artikulation, Veränderung oder Weglassen von Lauten oder misslungene Lautnachbildungen geachtet werden.

Damit später keine Probleme beim Schreiben auftreten, sollten Schwierigkeiten beim Greifen von Gegenständen sowie motorische Probleme – insbesondere der Hände – genau beobachtet werden.
Bei Kindern ab vier Jahren ist eine objektive Beurteilung und Diagnose nur dann möglich, wenn das Kind mitarbeitet. Bei Kindern zwischen vier und 16 Jahren sollten sich Untersuchung, Diagnose und Therapie an den Lern- und Verhaltensproblemen orientieren, die auf Sprachschwierigkeiten zurückzuführen sind.

Es ist wichtig und hilfreich, wenn auch schon sehr junge herzkranke Kinder genau wissen, warum sie spezielle Verhaltensmaßregeln beachten, bestimmte Nahrungsmittel meiden oder regelmäßig ihre Medikamente einnehmen müssen. Permanente Sonderbehandlung führt zu Ausgrenzung. Trotzdem ist es wichtig, dass in der Schule Betreuer und Lehrer auf die Begleitung chronisch kranker Kinder vorbereitet sind.

Lasse dich von dem Sozialdienst deines Krankenhauses über Nachteilsausgleiche beraten, wie Fahrtdienst oder Verlängerung von Prüfungszeiten. Trotzdem kann es aus verschiedenen Gründen zu Problemen kommen. Medikamente beeinträchtigen häufig die Konzentrationsfähigkeit und damit auch die Lern- und Leistungsfähigkeit der herzkranken Kinder in der Schule.

Krankenhausaufenthalt und Schule

Für chronisch kranke Kinder ist der Schulbesuch wichtig, damit sie nicht isoliert aufwachsen. Gleichzeitig werden so die Weichen für die soziale Integration im Erwachsenenalter. Tatsache ist aber, dass herzkranke Kinder immer wieder einmal ins Krankenhaus müssen – sei es für eine Kontrolluntersuchung oder für eine Operation. Dadurch bleiben sie öfter dem Unterricht fern als andere Schüler. Damit sich Fehlzeiten nicht nachteilig auswirken und sich die Kinder nach einer Operation wieder in der Schule und im Klassenverband zurechtfinden, muss einiges beachtet werden.

Wichtig ist, dass die Pädagogen genau informiert werden
– zum Beispiel wie oft das Kind ins Krankenhaus muss, wann ein Klinikaufenthalt ansteht und wie lange dieser ungefähr dauern wird. Wenn es aus ärztlicher Sicht gestattet ist, sollte das Kind so kurz wie möglich der Schule fernbleiben. Ist ein längerer Klinikaufenthalt unvermeidbar und lässt es das Befinden des Kindes zu, sollte der Unterricht in einem Klassenzimmer im Krankenhaus fortgesetzt werden.

Unterricht im Krankenhaus

Während eines Klinikaufenthaltes übernimmt der Pädagoge wichtige Aufgaben: Er sollte bestmöglich dafür sorgen, dass das Kind nicht aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt wird und zum Beispiel den Kontakt zu Freunden und anderen Pädagogen fördern. Der Pädagoge sollte dafür sorgen, dass das Kind weiterlernen kann und seine Leistungen beurteilt werden. Pädagogen, die im Krankenhaus arbeiten, sollten an den Lerninhalten anknüpfen, die zuletzt in der Schule durchgenommen wurden. Der direkte, ständige Austausch mit Pädagogen aus der Schule ist entscheidend, um den Lehrplan den Umständen entsprechend anzupassen. Durch einen Unterrichtsraum im Krankenhaus kann ein möglichst normales Leben für das Kind aufrechterhalten werden. Das Zusammensein und Spielen mit anderen Kindern ist ebenfalls wichtig, um Anspannungen abzubauen.

Kann das Kind nach einem Klinikaufenthalt nicht sofort wieder in die Schule gehen, sollte der Unterricht dennoch fortgesetzt werden.
Eine Möglichkeit sind der Fernunterricht oder Häuslicher Unterricht. Hierbei muss die Familie eingebunden werden.

Wichtig ist, dass die Kinder schnell zum normalen Alltag zurückkehren. Dafür müssen sie sich sicher sein können, dass sie in der Schule und von ihren Klassenkameraden genauso wie vorher und wie alle anderen behandelt werden. Wichtig ist, dass sie so akzeptiert werden, wie sie sind – trotz eventueller körperlicher Veränderungen. Aus Angst vor Ablehnung wollen herzkranke Kinder manchmal nicht mehr ihre Freunde sehen. Dahinter stecken oft Sorgen wegen ihres Aussehens oder Ängste, weil sie so lange gefehlt haben. Einige Kinder reagieren mit Rückzug oder sind besonders schüchtern, um Körperkontakt beim Spielen oder Zusammensein mit Freunden zu vermeiden.

Das gilt besonders für Kinder, denen der Arzt körperliche Betätigung oder Sport untersagt hat.

Auf solche Situationen sollten Pädagogen achten. Manche Kinder wirken vielleicht selbstsicher, sind jedoch insgeheim unsicher, fühlen sich zerbrechlich oder leicht verletzbar. Wird dies nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Depressionen führen.

Wenn die Kinder den Kontakt zu ihren Freunden gehalten haben und mit dem Lerntempo mithalten können, ist die Reintegration in den Klassenverband wesentlich einfacher.

Die Rückkehr des Kindes könnte zum Beispiel gefeiert werden. Hier ist die Kreativität des Pädagogen gefordert. Er kann die Situation positiv beeinflussen, damit das Kind schnellstmöglich in den Schulalltag zurückfindet. Wie die Rückkehr in die Klassengemeinschaft genau angegangen wird, besprechen Pädagogen, Eltern und Kind am besten gemeinsam. Dabei sollte ebenfalls besprochen werden, was die Mitschüler über die Krankheit und Behandlung des Kindes erfahren sollen.

In den Wochen und Monaten nach der Rückkehr sollten Pädagogen genau auf eventuelle Probleme achten.
Nach Einbrüchen bei der schulischen Leistung kann es zu aggressivem Verhalten, Rückzug, verstärkter Angst oder sozialer Isolation kommen.

Die Familie spielt bei der Schulbildung eine wichtige Rolle, die aber von zwei Extremen (negativ) beeinflusst werden können.
Das eine Extrem ist zuviel Fürsorge:
Aus Angst, dass es dem Kind gesundheitlich schlechter gehen könnte, wird das Kind zu stark behütet. Eltern sollten dann ihr eigenes Selbstvertrauen und auch das des Kindes stärken, indem sie ihrem Kind mehr Autonomie eingestehen und sein Selbstwertgefühl steigern.
Das andere Extrem ist, den Herzfehler vollkommen zu leugnen.
Die Eltern akzeptieren die Krankheit nicht und verhalten sich, als ob alles ganz normal sei. Die Kinder erhalten dadurch widersprüchliche Botschaften:

Einerseits unterscheidet sich ihre Schulbildung nicht von der anderer Kinder, andererseits müssen sie mit den Problemen klar kommen, die ihr Herzfehler mit sich bringt. In diesem Fall wird alles erlaubt, weil die Eltern davon ausgehen, dass gewisse Einschränkungen das Kind an seiner Entfaltung hindern und es darunter leidet. Diese beiden gegensätzlichen Herangehensweisen verursachen die meisten Probleme, mit denen Pädagogen beim Unterricht von herzkranken Kindern zu kämpfen haben.

Die Familie muss hier die richtige Balance finden.
Nur so können herzkranke Kinder die bestmögliche Schulbildung erhalten. Es ist die Aufgabe der Familie, dem Kind die Geborgenheit und Sicherheit zu geben, die es für seine Entwicklung braucht. Gleichzeitig sind alle an der Schulbildung Beteiligten gefordert, herzkranken Kindern ein Umfeld voller Wärme, Einfühlsamkeit und Toleranz zu schaffen. Die Schule hat eine Bedeutung für die soziale Integration von Kindern und Jugendlichen. In das soziale Umfeld integriert zu sein, ist ein zentraler Aspekt in der Entwicklung aller Menschen – ob mit oder ohne Herzfehler.

Pädagogen sollten nicht nur Wissen vermitteln, sondern sich auch um die emotionalen Aspekte der kindlichen Entwicklung kümmern und dafür sorgen, dass das Kind neue Konzepte versteht.