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Auf Reisen

Fragen und Unsicherheit

„So weit willst du weg? Und dann auch noch fliegen? Geht denn das mit deinem Herz?“
Ist es wirklich so, dass man als chronisch Kranker ein besonderes Risiko eingeht, wenn man sich aus dem gewohnten Umfeld wegbegibt? Kann man eine Flugreise machen oder riskiert man hier eine ernsthafte Sauerstoffunterversorgung oder Thrombosegefahr? Kommt man überhaupt mit einem Herzschrittmacher durch die Sicherheitskontrollen? Können Medikamente transportiert werden? Wie geht man mit großen Höhen oder einem komplett anderen Klima um?
Keineswegs ist es so, dass man „alles“ machen kann – aber mit Rücksprache mit dem betreuenden Kardiologen und einer guten Vorbereitung ist vieles an Reisen möglich.

Selbsteinschätzung

Träume sind nicht verboten – und sie dürfen auch gelebt werden. Die Erfahrung auch in anderen Bereichen (z.B. beim Sport) zeigt, dass sich von Geburt an chronisch Kranke gut selbst einschätzen können – besser als Menschen, die aus völliger Gesundheit heraus chronisch krank wurden und sich dann erst recht eingeschränkt fühlen. Bei der Wahl des Urlaubsziels ist ein allmähliches Herantasten an neue Situationen sinnvoll – beispielsweise nicht gleich tropische Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit, sondern erst mal mit gemäßigteren Klimazonen austesten, wie man tatsächlich auf einen Wechsel reagiert. Gleiches gilt für die Länge der Anreisedauer. Und wenn das immer wieder gut klappt, kann man in kleinen Schritten auch mehr wagen.

Vorbereitungen

Eine Reise soll gut geplant sein. Was sollte man dabei beachten?

Es ist sinnvoll, sich von fachlich spezialisierte Reisebüros beraten zu lassen.
Wer besondere Bedürfnisse im Urlaub hat, profitiert sehr von einer persönlichen Ansprechperson. Dies bezieht sich sowohl auf die Planung (Zimmer im Erdgeschoß bzw. Klärung, ob ein Aufzug vorhanden ist; Hotelzimmer mit kurzen Wegen zu allen Anlagen; behindertengerecht ausgestatteter Reisebus oder Campinganlage) wie auch auf den Fall einer Reklamation – ein persönlicher Ansprechpartner kann wesentlich individueller handeln und man erreicht ihn schneller.

Wo ist das Krankenhaus mit kinderkardiologischer Erfahrung, falls ein Notfall eintritt!
Bitte informiere dich bei deinem Kardiologen!

Hilfreich kann hier eine Checkliste sein - das ist bei völlig Gesunden und chronisch Kranken gleichermaßen ausgeprägt.

  • Koffer aus leichtem Material und stabilen Griffen und Rollen (am besten auf 4 in allen Richtung flexiblen Rollen schiebbar)
  • Rucksäcke mit gutem Becken- und Brustgurt helfen, Gewicht ergonomisch zu verteilen
  • Taschen für Handgepäck können manchmal sehr praktisch zusammen mit dem Koffer erworben und mit diesem ergonomisch verbunden werden
  • Waschmöglichkeiten vor Ort können insbesondere bei Aufenthalten über 2 Wochen Kleidungsmenge erheblich reduzieren und somit Platz für Sachen, die man sonst schweren Herzens zu Hause gelassen hätte
  • Brustbeutel - wichtigen Dokumente direkt bei sich, so verliert man sie nicht: Ausweis, Tickets, Notfallrufnummern der Angehörigen, des behandelnden Arztes, der Auslandskrankenversicherung und des Reiseveranstalters, Kurzbericht über die bestehenden Diagnosen und Medikamente in englischer bzw. Landessprache – und natürlich Bargeld und Bankkarten
  • Medikamentenvorrat, Herzpass, Notfallpass, Bluterpass

Viele benötigen regelmäßig Medikamente.
Diese sollten im Handgepäck transportiert werden!
Achten, auf ausreichende Menge für den Urlaubsaufenthalt.

Für Reisen gibt es verschiedene Aspekte, die abgesichert werden können:

  • EKVK | e-card
  • Auslandskrankenversicherung
  • Reiserücktritts- und Rückholversicherung
  • Stornoversicherung




EU-Bürger, die in ein EU-Mitgliedsland reisen, sollten die Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK) bei sich haben. Diese befindet sich auf der Rückseite der e-card. Mit der EKVK ist gesichert, dass du nach den Regeln des jeweiligen Landes zur ärztlicher Betreuung kommst.
Nur dann werden die Kosten für medizinische Leistungen vor Ort erstattet. Ohne die Karte kann der Besuch beim Arzt schnell teuer werden. Die Karte ersetzt jedoch keine Versicherung.

Wer eine Auslandskrankenversicherung abschließen möchte, sollte sich darüber informieren, welche Leistungen im Einzelnen abgedeckt werden. Sinnvoll ist auch eine Rückholversicherung abzuschließen (z.B.: ÖAMTC Schutzbrief).

Man sollte sich auf keinen Fall scheuen, genau nachzufragen und sich die Polizze vorher genau durchzulesen. Danach braucht man eine zusätzliche Abdeckung. Dein Versicherungsberater kann dir da sicher weiterhelfen. Reisende ohne Auslandskrankenversicherung müssen alle Kosten selbst tragen – und das kann teuer werden.

Eine Versicherung gilt normalerweise nur für den Erkrankten, nicht aber für davon betroffene Reisebegleiter.

Wer zum Beispiel mit einer Reisegruppe unterwegs ist und den Flug verpasst, weil er ins Krankenhaus muss, erhält zwar eine Reisekostenerstattung, die Mitreisenden gehen jedoch leer aus. Ob es hierbei Ausnahmen gibt, sollte daher vorher mit der Versicherung geklärt werden.

Wer auf Reisen in ein Krankenhaus muss, sollte sich – wenn möglich – sofort am ersten Tag für die Versicherung die Einweisung bescheinigen lassen. Außerdem sollte man auch alle ausländischen Rezepte aufheben.

Muss man unerwartet von einer Reise zurücktreten, entstehen hierfür Stornokosten. Mit Hilfe einer Reiserücktrittsversicherung können solche Kosten eingespart werden. Die Höhe der Versicherungsprämie ist abhängig vom Reisepreis. Auch für den Fall einer verspäteten Anreise oder verspäteten/verfrühten Abreise sind Versicherungen möglich – ebenfalls von Versicherer zu Versicherer ganz unterschiedliche Bedingungen.

Passiert im Ausland tatsächlich ein Notfall, informiert man unmittelbar den Versicherer, um zu fragen, wie man vorgehen soll. Der direkte Kontakt zum Versicherer ist immer der beste, da man hier formale Fehler, die trotz eigentlich berechtigtem Leistungsanspruch zu einem Ausschluss führen könnten, vermeiden kann.

Streckt man selbst das Geld für eine Behandlung vor, ist es sinnvoll, nicht nur die Rechnung des Therapeuten aufzuheben, sondern auch einen Befundbericht inkl. Diagnose und Therapie anzufordern.

So kann der Versicherer nachvollziehen, welche Art der Behandlung durchgeführt wurde und wird, wenn alles okay ist, auch schnell die Leistungen erstatten. Sind die Angaben unzureichend, kann der Versicherer entweder von vornherein ablehnen oder aber es vergeht viel Zeit und Aufwand, bis man an die passenden Unterlagen herankommt.