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Kategorie: Medizin & Forschung
05-03-10
Frau Univ. Prof. Dr. Ina Michel-Behnke / seit 1.07.2008 Leiterin der klinischen Abteilung für pädiatrische Kardiologie der Medizinischen Universität Wien
Fragen an Frau Univ. Prof. Dr. Ina Mechel-Behnke
Sie haben im Mai 2009 begonnen auch in Wien kathetervermittelte Implantation der Pulmonalklappe vorzunehmen. Wird diese Methode in Zukunft die Methode der Wahl sein?
Die perkutane Implantation klappentragender Stents in ein Conduit oder einen verkalkten Homograft stellen eine hervorragende Möglichkeit dar, einen erneuten chirurgischen Klappenersatz zu vermeiden oder zu verzögern. Ich habe an meiner vorherigen Wirkungsstätte, dem Kinderherzzentrum Giessen schon sehr gute Erfahrungen damit sammeln können. Für einige PatientInnen ist diese Methode sehr gut geeignet, sie generell als die Methode der Wahl zu bezeichnen wäre sicher falsch, da nicht alle PatientInnen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantation erfüllen. Die chirurgische Behandlung stellt weiterhin eine sehr effektive Therapie dar.
Für welche Herzerkrankungen eignet sie sich und wo sehen sie die Grenzen dieser Methode?
Als sehr günstig hat sich die Methode für solche PatientInnen herausgestellt, die neben einer behandlungsbedürftigen Undichtigkeit der Pulmonalklappe auch eine gewisse Restenge aufweisen. Diese erlaubt eine sichere Verankerung des Stents. Die Herzfehler, die am häufigsten für die Technik der perkutanen Klappenimplantation in Frage kommen sind: Fallot Tetralogie, Pulmonalatresie mit VSD, Truncus arteriosus communis, PatientInnen nach Ross-Operation. Hinter den genannten Diagnosen verbergen sich natürlich häufig noch zusätzliche Anomalien der Lage und der Morphologie des Herzens, die sehr komplex sein können. Es gilt immer das Risiko gegen den Nutzen abzuwägen. Manche PatientInnen kommen wegen ihres Alters und dem damit geringen Körpergewicht nicht in Frage, bei anderen erlaubt die Anatomie der Herzkranzarterien den Kathetereingriff nicht.
Wie sieht die Kooperation mit den Universitäten Innsbruck und Graz im Rahmen des Kompetenznetzes der Medizinischen Universitäten aus und gibt es auch eine (mögliche) Zusammenarbeit mit dem Kinderherzzentrum in Linz?
Gerade in einem kleineren Land wie Österreich sind Kooperationen der Institutionen an denen herzkranke Kinder betreut werden, von großer Bedeutung. Neben der reinen PatientInnenversorgung spielen hier vor allem wissenschaftliche Projekte eine große Rolle. Unser Auftrag muss es sein, die Medizin voranzubringen, zum Nutzen und Vorteil der uns anvertrauten Kinder. In diesem Zusammenhang bestehen bereits gut funktionierende Abläufe und weitere sind in Planung. Im Rahmen der Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Graz haben sich aktuell einige Zentren bereit erklärt an einer Studie meiner Abteilung zu genetischen Untersuchungen bei angeborenen Herzfehlern teilzunehmen, darunter auch das Zentrum in Linz. Hierüber freuen wir uns sehr.
Was bietet ihre Abteilung an Untersuchungen an, die auch für anderorts operierte Kinder von Interesse bzw. vom Nutzen (geringer Anfahrtswege etc.) sein können?
Das Kinderherzzentrum Wien bietet das komplette Spektrum der Betreuung herzkranker Kinder und Jugendlicher sowie in Zusammenarbeit mit der Abteilung Innere Medizin /Kardiologie auch die Versorgung Erwachsener mit angeborenen Herzfehlern an. Ebenfalls gehört die Langzeitbetreuung von PatientInnen nach Herztransplantation dazu. Wir halten einen rund um die Uhr besetzten kinderkardiologischen Dienst bereit, der für Akutprobleme ansprechbar ist. Spezielle Untersuchungen, wie Herzschrittmacher / ICD- Abfragen und –programmierungen werden in unserer Abteilung vorgenommen, ebenso Elektrophysiologische Untersuchungen bei medikamentös nicht beherrschbarem Herzrasen. Die Langzeit-EKG-analyse gehört ebenso zum Standard wie Belastungs-EKGs und 24-Stunden Blutdruckmessung. MRT-Untersuchungen, die heute eine Herzkatheteruntersuchung häufig ersetzen können, werden unter anästhesiologischer Betreuung tagesklinisch vorgenommen. Die Auswertung erfolgt durch einen für angeborene Herzfehler spezialisierten Radiologen der unserem Zentrum zugeordnet ist in einer gemeinsamen Teamkonferenz. Für Patienten mit Marfansyndrom haben wir eine Spezialsprechstunde eingerichtet, in der sowohl genetische Fragestellungen als auch die für die PatientInnen relevanten orthopädischen und augenärztlichen Probleme durch Spezialisten der Nachbardisziplinen vor Ort gemeinsam angegangen werden. Mit unseren Zuweisern pflegen wir eine intensive Kommunikation über Befundberichte, persönliche Kontakte und alternierende Vorstellungstermine. Auf diese Weise ist eine kontinuierliche Betreuung gewährleistet und einem Informationsverlust vorgebeugt.
Wie viele kleine Patienten werden bei Ihnen betreut?
Wir heißen jeden Patienten herzlich willkommen. Das große Patientenaufkommen lässt jedoch Wartezeiten nicht ganz vermeiden. Neugeborene und Säuglinge erhalten Termine am Tag der Anmeldung oder einen Tag danach.
Im vergangenen Jahr wurden knapp 6000 PatientInnen in unserer Herzambulanz incl Echokardiographie und EKG gesehen. Die übrigen Zahlen und Informationen sind auf der Homepage der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde (Jahresbericht) dargelegt.
Hat sich, nach Bestellung von Prof Laufer als Leiter der Herzchirurgie des AKH Wien, etwas an der Kinderherzchirurgie geändert?
Das ist eine Frage, die Sie eigentlich Herrn Prof. Laufer stellen müssten. Aus meiner Perspektive hat sich die Vielfalt der Operationen, die wir in Wien anbieten können deutlich erhöht. Neben den etablierten Verfahren konnten wir insbesondere herzchirurgische Eingriffe in der Neugeborenenphase (Arterielle Switchoperation, Frühkorrektur bei Pulmonalatresie mit VSD, Fallot Tetralogie) sowie im Bereich der Univentrikulären Herzen (DKS-Anastomose....) zu unserem Spektrum hinzufügen. Neben neuen Techniken, die der Chirurg besser beantworten kann, sind Optimierungen im kardiotechnischen Bereich hinzugekommen. Die Auswirkungen mit verkürztem postoperativen Aufenthalt auf der Intensivstation und Gesamtaufenthalt im Spital,tragen zum erfreulichen Gesamtergebnis der operativen Versorgung bei. Ganz aktuell ist der Beginn eines „Kunstherzprogramms“ vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen initiiert worden.



